Mein Wien, das Herz am Donaustrand
Wenn der Abend über die Stadt fällt
Da steht man dann, die Goschen halb offen, am Stephansplatz und spürt, wie die Jahrhunderte an einem vorbeiziehn. Es is' a eigenes Gfühl, so zwischen dem Gestern und dem Heut. Die Luft riecht nach gebrauchtem Kaffee und versprengtem Regen, und irgendwo spielt a Drehorgl was Trauriges. Des is' Wien, wenn's sein Herz a Spalt offen macht.
Über die Ringstraß'n geht's weiter, wo die Fiakerpferde mit den Köpfen nicken, als wüssten sie a Geheimnis, das sie net verraten dürfen. Die Lichter von den Kaffeehäusern liegen wie warmes Gold auf'm Pflaster. Da setzt man sich hinein, bestellt sich a' g'schmackiges Verlängerten, und schaut den Leuten nach. Jeder hat sein Päckl zu tragen, das merkt man. Aber hier, zwischen Marmor und Samtvorhang, lässt man's für a Viertelstund einfach am Boden stehn.
Am Wasser, wo die Gedanken treiben
Später zieht's einen dann oft hinaus an die Donau. Nicht ans große, breite Wasser, sondern an die alten Arme, wo's mucksmäuschenstill wird. Die alten Weiden tauchen ihre Finger ins Dunkle, und das Plätschern hat was Beruhigendes. Da denkt man sich sein Teil, fragt sich, wo man selber grad dastellt im Leben. Manchmal is' man voll im Saft, manchmal hat man an Vogel. Aber hier, mit Blick auf die Lichter vom Kahlenberg, findet sich alles wieder z'samm. Die Stadt schläft nie wirklich. Sie dämmert nur, träumt laut, und wartet auf den nächsten Tag, der sicher wieder sein eigenes Süppchen kocht.
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